Assassin’s Creed Odyssey: Ein episches Abenteuer in der Antike
Ursprünglich wurde diese Rezension in einem Podcast-Format durchgeführt, dessen Video oben verfügbar ist oder hier als Audiodatei anhörbar ist. Eine Zusammenfassung der Rezension folgt.
Nur ein Jahr nach Origins bringt Assassin’s Creed Odyssey das Open-World-RPG-Format dieses Spiels auf ein neues Level. Die Darstellung des antiken Griechenlands ist riesig und überwältigend, gefüllt mit Städten, Inseln und Ozeanen, die mit Zielen überladen sind, die selbst für die motiviertesten Spieler unerreichbar scheinen.
Die schiere Menge an Inhalten ist an sich nicht schlecht. Doch was nutzt all dieser Inhalt, wenn nur etwa die Hälfte davon fesselnd ist? In den besten Momenten trägt die Größe von Odyssey zur grandiosen Abenteueratem der Entwickler bei. Allerdings wird dieses Gefühl oft durch zahlreiche sich wiederholende Aufgaben und wenig einfallsreiche Nebenquests geschmälert, die das Tempo des Spiels oft als aufgebläht und unbeholfen erscheinen lassen.
Die Protagonisten: Kassandra und Alexios
In der Rolle von Alexios oder Kassandra, den Spartanern Geschwistern, spielen die Entscheidungen des Spielers eine entscheidende Rolle. Besonders Kassandra, die ich über 80 Stunden lang spielte, zeichnet sich durch ihre charismatische Stimme von Melissanthi Mahut aus. Im Gegensatz zu Bayek aus Origins, der als anständiger Vater fungierte, zeigt sich Kassandra als abenteuerlustige, bisexuelle Söldnerin, die Spielraum für unterschiedliche Charakterzüge bietet.
Das Hinzufügen von Dialogauswahl erweitert die RPG-Elemente des Spiels. Neben den Festungen, Banditenlagern und geschichtenfokussierten Nebenquests aus Origins, kehrt das Seefahrtskampf-Element aus Black Flag und Rogue grandios zurück. Ein System, inspiriert von Monoliths Mordor-Spielen, fügt eine weitere Dimension hinzu, in dem Spieler gegen eine reiche Auswahl von Söldnern antreten können.
Gameplay und Herausforderungen
Die Kämpfe zwischen den arianischen und spartanischen Armeen sind wahrscheinlich der schwächste Teil des Spiels, da sie nicht viel Spaß machen, obwohl sie nützliches Loot bieten können. Trotz des Hauptstorystrangs fühlt sich vieles im Spiel repetitiv an. Nach 80 Stunden Geschichte hatte ich das Gefühl, dass es noch weitere Enden gibt, die ich nicht gesehen habe. Dennoch bleibt das Interesse an diesen Nebeninhalten oft gering, da sich die Aufgaben wiederholen und die Herausforderungen sich nicht wirklich lohnen.
Der größte Nachteil von Assassin’s Creed Odyssey ist jedoch, dass es an vielen Stellen nicht gelingt, die vorhandenen Stärken gezielt hervorzuheben. Die Entwickler hätten gut daran getan, eine kritischere Sicht auf die Fülle an Inhalten zu werfen. Ein strafferer Fokus hätte das Spiel in seiner Gesamtheit gestrafft und fesselnder gestalten können. Aktuell fühlt es sich an, als würde Odyssey zwar einen enormen Umfang bieten, gleichzeitig aber in Langeweile und Monotonie abdriften.
Odyssey mag ein riesiges und oft wunderschön anzuschauendes Spiel sein, jedoch sollten Spieler gewarnt sein: Die immense Spielzeit bringt nicht unbedingt die gewünschte Freude und das Abenteuer mit sich, das die Entwickler anstreben.