God of War: Ein Evolutionsschritt für die Franchise
Im Jahr 2010 schien das Ende der God of War-Franchise besiegelt. Trotz der hohen Qualität von God of War III und Ghost of Sparta blieb die Frage offen: Wo könnte die Geschichte von Kratos hingehen? Seine Rachefeldzüge gegen die griechischen Götter hatten ihren Höhepunkt erreicht, als er seinen eigenen Vater, Zeus, besiegte. Es schien, als wäre die Geschichte erzählt.
Die Rückkehr der Franchise
Mit der Ankündigung von Ascension in den folgenden Jahren hörte man ein kollektives Stöhnen aus der Gaming-Community. Der Titel war ein weiteres Prequel und brachte kaum neue Gameplay-Elemente mit sich. Sony setzte zudem auf ein Multiplayer-Modus, der auf wenig Interesse stieß. Obwohl das Spiel nicht katastrophal war, bedeutete es keineswegs einen aufregenden neuen Anfang für die Franchise.
Die Enthüllung von God of War auf der E3 2016 versprach jedoch eine aufregende Wendung. Im Gegensatz zu vorherigen Titeln schien die Neuauflage eine deutliche Abkehr von der gewohnten Brutalität zu sein. Stattdessen konzentrierte sich der Trailer auf die Interaktion zwischen Kratos und seinem unbekannten Sohn.
Ein neuer Kratos
Die Befürchtungen, dass die Reihe ihren übertriebenen Brutalität-Stil verlieren könnte, wurden schnell entkräftet. Die ersten Stunden des Spiels zeigen Kratos vor allem in Dialogen mit seinem Sohn Atreus, was die Beziehung zwischen Vater und Sohn nachhaltig prägt. Kratos wird als älter und verletzlicher dargestellt, mit dem Ziel, den Wunsch eines geliebten Menschen zu erfüllen, anstatt sich voller Rache auf die Götter zu stürzen.
Die Chemie zwischen Kratos und Atreus bringt frischen Wind in die Geschichte. Kratos agiert als Mentor und versucht, seinen Sohn zu einem Krieger auszubilden, während er ihn gleichzeitig von seinem eigenen gewalttätigen Lebensstil fernhalten möchte.
Gameplay und Kampfsystem
In den ersten Stunden des Spiels standen Kämpfe jedoch nicht im Vordergrund. Kratos interagiert mit der Umgebung und seinen neuen Verbündeten. Die überarbeitete Kampfmechanik und die neue Kameraperspektive sorgen für ein bewusstere Gestaltung des Kampfs. Anstatt die Buttons für Angriffe zu missbrauchen, verwenden Spieler nun eine Kombination von Triggern, um komplexe Angriffe auszuführen. Dies führt zu einem strategischeren und befriedigenderen Kampferlebnis, das den alten, reinen Button-Mash ersetzen kann.
Atreus spielt eine zentrale Rolle im Gameplay: Er kann Gegner ablenken und sich aktiv am Kampf beteiligen, ohne den Spieler zu behindern. Diese Implementierung ist besser gelungen als der Abgleich der Begleiter-Mechanik in The Last of Us.
Erforschen und Aufleveln
Die Erkundung der Spielwelt wird durch die offene Struktur und die Vielzahl von Nebenquests belohnt. Die Lake of Nine bietet als zentraler Hub zahlreiche Möglichkeiten zur Erkundung und Belohnungen in Form von Nebenmissionen, Rätseln und Sammlerstücken.
Die rocksolide Grafik und das detaillierte Design der Umgebungen setzen neue Maßstäbe für PS4-Spiele. Die visuelle Präsentation, kombiniert mit HDR-Effekten, hebt die Schönheit von God of War hervor.
Zusammenfassung der Neuerungen
God of War hat die Grundlagen der Franchise nicht nur bewahrt, sondern auch entscheidend weiterentwickelt. Die neuen Gameplay-Elemente, das umfangreiche Puzzlesystem und die dramatisch längere Spielzeit schaffen eine bereichernde Spielerfahrung. Vor allem jedoch ist es die neue Darstellung von Kratos, die die Geschichte emotionaler und vielschichtiger macht. Das Ergebnis ist ein Spiel, das nicht nur die Fans der ursprünglichen Trilogie anspricht, sondern auch neue Spieler überzeugt. God of War hat sich weiterentwickelt und demonstriert eindrucksvoll, dass die Geschichte rund um Kratos noch längst nicht zu Ende erzählt ist.