Rezension zu „Sörensen geht aufs Haus“ von Sven Stricker
Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Rande eines gemütlichen kleinen Städtchens, während die Wolken über der Realität grummelnd ihre Schatten werfen. Genau dort beginnt Sven Strickers neuester Krimi, der uns wieder in die tiefere Psyche seines Protagonisten, Sörensen, eintauchen lässt. Nach fünf packenden Fällen ist dieser sechste Teil so persönlich und intensiv, dass ich mich fragte: Kann ein Mensch all diese Schichten von Angst und Schmerz wirklich tragen?
Die Handlung in Kürze
Sörensen hat es nicht leicht: Sein kranker Vater zieht ein, und dann taucht auch noch ein Schulfreund namens Schiefel auf – mit einem Sack voller Probleme. Plötzlich wird hinter dessen Haus eine grausige Entdeckung gemacht: menschliche Leichenteile. Das bringt die Vergangenheit ins Spiel und wirft Sörensen in einen Cold Case, der ihn bis ins Mark erschüttert. Das Spiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart hält die Spannung dauerhaft hoch und verleiht der Geschichte eine unerwartete Tiefe.
Die Figuren und der Schreibstil
Die Charaktere in Strickers Buch sind das Herzstück – dreidimensional und absolut nachvollziehbar. Sörensen ist kein klassischer Held, sondern ein Mann voller Unsicherheiten, der sich seiner biologischen und emotionalen Erbschaften stellen muss. Seine Kollegin Jenni bringt frischen Wind, indem sie selbst Veränderung sucht. Strickers Schreibstil ist wie ein gut gezapftes Bier – spritzig, flüssig und manchmal mit einem bitteren Nachgeschmack. Besonders gelungen sind die Dialoge, die oft mit einem scharfen, humorvollen Witz durchzogen sind.
Ich konnte nicht anders, als bei manchen Dialogzeilen laut zu schmunzeln. Wie schafft es Stricker bloß, ernste Themen mit einem Hauch von Ironie zu behandeln?
Kritikpunkte
Natürlich gibt es auch kleine Stolpersteine – manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die Nebenhandlungen eine tiefere Bearbeitung erfahren. Besonders beim Konflikt mit dem Vater hätte eine etwas intensivere Darstellung der Emotionen nicht geschadet. Aber hey, wir sind ja nicht hier für eine Psychotherapie. Das geballte Krimi-Flair passt perfekt in die Geschichte.
Fazit
„Sörensen geht aufs Haus“ ist mehr als nur ein Krimi – es ist eine Einladung, die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Ungewissheiten des Lebens zu erkunden. Wer sich auf die Reise einlässt, wird mit einem spannenden Plot belohnt, der von psychologischer Tiefe und prickelndem Witz geprägt ist. Ich vergebe diesem mitreißenden Werk 4 von 5 Sternen – es ist definitiv ein pageturner, den Sie nicht verpassen sollten! 🍺📚