„Free Falling“ von Susan Kiernan-Lewis entführt die Leser in einen unerwarteten Albtraum, der aus einem entspannten Familienurlaub entsteht. Die Geschichte beginnt leichtherzig in der idyllischen Kulisse des irischen Hochlands, wo das Leben im Einklang mit der Natur zu sein scheint. Doch schon bald wird diese friedliche Atmosphäre durch einen internationalen Krisenherd zerissen, der die Protagonisten in einen Überlebenskampf zwingt.
Im Zentrum stehen der amerikanische Familienvater, seine Frau und ihr kleiner Sohn – eine typische, harmonische Familie, die jedoch schnell zeigt, dass sie mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick scheint. Während die äußeren Umstände, einschließlich des Zusammenbruchs der Zivilisation, immer bedrohlicher werden, entfaltet sich die innere Stärke der Charaktere. Der Autor versteht es meisterhaft, die emotionalen und psychologischen Veränderungen der Protagonisten einzufangen. Ihre Entwicklung von naiven Touristen zu resoluten Überlebenden ist kraftvoll und realistisch gestaltet.
Kiernan-Lewis‘ Schreibstil ist prägnant und bildhaft. Die Landschaft Irlands wird lebendig, ebenso wie die Gefahren, die die Familie auf ihrem Weg begegnet. Der Kontrast zwischen der Anfangsruhe und dem aufsteigenden Chaos wird eindringlich vermittelt, sodass man als Leser das Gefühl hat, selbst Teil des Geschehens zu sein. Die Dialoge sind authentisch und bringen die Dynamik innerhalb der Familie sowie den Druck der äußeren Welt überzeugend zur Geltung.
Besonders hervorzuheben ist die schleichende Intensität, die der Erzählung innewohnt. Der Leser wird Zeuge, wie banal wirkende Entscheidungen über Leben und Tod entscheiden können. Dies wird durch kleine Details und alltägliche Situationen, die eine neue Wendung nehmen, verdeutlicht. Kiernan-Lewis gelingt es, die Spannung aufrechtzuerhalten, während sie gleichzeitig tiefere Fragen nach Moral, Mut und der menschlichen Natur aufwirft.
Insgesamt ist „Free Falling“ kein typisches Endzeit-Szenario; es ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit der Fragilität unserer Lebensweise und dem unaufhaltsamen Überlebenswillen. Der Leser wird dazu angeregt, über die eigene Rolle in der Gesellschaft nachzudenken und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was es bedeutet, für die eigene Familie einzustehen. Dieses Buch ist eine facettenreiche Erzählung, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt – ohne je den Boden der Realität zu verlassen. Susan Kiernan-Lewis hat mit diesem Werk einen fesselnden Einstieg in die Irish End Games geschaffen, der neugierig auf die Fortsetzungen macht.