Vogelschutz: Möglichkeiten zur Vermeidung von Kollisionen mit Fenstern
Hamburg (ots) – Ein Referat zur Gefährdung von Vögeln durch Glasscheiben wird von der Deutschen Wildtier Stiftung vorgestellt. Jährlich sterben in Deutschland schätzungsweise bis zu 100 Millionen Vögel an Glasscheiben.
Risiken für Vögel
Die unzureichende Kennzeichnung von Fenstern, Terrassentüren und ähnlichen Glasflächen stellt ein erhebliches Risiko für Vögel dar. Jungvögel lernen im Juni das Fliegen. Aufgrund der seitlichen Augenplatzierung der Vögel haben sie oft Schwierigkeiten, Glasflächen rechtzeitig zu erkennen. Bei Geschwindigkeiten von 30 bis 60 Stundenkilometern ist es häufig unmöglich, rechtzeitig auszuweichen. Hochrechnungen weisen darauf hin, dass in Einfamilien- und Doppelhäusern im Schnitt ein bis zwei tödliche Kollisionen pro Jahr geschehen, während dies in höheren Bürogebäuden deutlich mehr der Fall ist.
Empfehlungen der Expertin
Christine Rückmann, Naturbildungspädagogin der Deutschen Wildtier Stiftung, kritisiert die Verwendung schwarzer Greifvogel-Aufkleber als unzureichende Maßnahme. Diese Aufkleber könnten von kleinen Singvögeln zwar als Hindernis wahrgenommen werden, jedoch existierten rund um die Aufkleber nach wie vor Lücken, durch die Vögel fliegen könnten. Rückmann rät ebenfalls von UV-Stiften und UV-Folien ab, da deren Effektivität nicht ausreiche. Sie empfiehlt stattdessen eine selbstklebende Vogelschutzfolie mit kleinen Punkten: „Ist eine Scheibe mit einem Raster aus neun Millimeter großen Punkten im Abstand von jeweils neun Zentimetern versehen, sinkt die Zahl der tödlichen Kollisionen nachweislich um bis zu 97 Prozent.“
Gestaltungsmöglichkeiten für einen effektiven Schutz
Ein individueller Schutz kann zudem durch großflächige Zeichnungen mit Fenstermalkreide in Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen erzielt werden. Rückmann betont, dass die Farben Rot, Orange, Schwarz und Weiß eine hohe Warn- und Kontrastwirkung auf Vögel haben. Wichtig sei, dass die Dekoration von außen aufgebracht wird, um Spiegelungen zu vermeiden. Für Neubauten oder Renovierungen seien auch beschichtetes oder strukturiertes Vogelschutzglas eine Alternative. Milchglas kommt für kleinere Flächen, wie zum Beispiel Balkonbegrenzungen, in Betracht. Zudem sollten Futterstellen und Nistkästen nicht in der Nähe von Fenstern platziert werden.
Handlungsanweisungen bei verletzten Vögeln
Bei einem verletzten Vogel wird geraten, eine Wildtierhilfe zu konsultieren. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt die App „Wildtier-SOS“, die bei der Ersteinschätzung sowie der Suche nach Tierärzten und Auffangstationen hilft. Rückmann hebt hervor, dass es am besten sei, wenn es erst gar nicht zu einem Unfall kommt, indem alle Glasflächen klar gekennzeichnet sind.
Bildunterschrift: Foto von Moritz Kindler auf Unsplash
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